Wenn Michael Lehn über Veranstaltungen spricht, dann schwingt dabei mehr mit als die bloße Organisation. Vielmehr ist es der Blick dafür, was eine Stadt lebendig macht. Seit August 2014 ist der gebürtige Bebraer als Eventplaner bei der Stadtentwicklung Bebra GmbH tätig. Sein Einstieg? Punktgenau vier Wochen vor der Eröffnung des Einkaufscenters „das be!“. Ein Auftakt, der kaum hätte dynamischer sein können und der den Ton für die kommenden Jahre setzte: mittendrin statt nur dabei!
„Es ging direkt mit Action los“, erinnert sich der heute 59-Jährige. Damals noch in einem kleinen Team, gemeinsam mit Stefan Knoche, der inzwischen Bürgermeister der Stadt Bebra ist und einer Auszubildenden. Aus einer Handvoll Veranstaltungen im Jahr ist inzwischen ein dicht gefüllter Veranstaltungskalender geworden, getragen von einem siebenköpfigen Kernteam, mit dem der Eventplaner eng zusammenarbeitet. Er weiß auch nach über zehn Jahren genau, dass erfolgreiche Events nie Einzelleistungen sind. „Ohne das Kernteam der SEB, den Bauhof und das Ordnungsamt wäre das alles nicht möglich.“
Die Entwicklung der vergangenen Jahre lässt sich nicht nur an Zahlen messen. Zwar hat sich die Anzahl der Veranstaltungen mehr als verdoppelt, doch vor allem die Herangehensweise hat sich verändert. „Man muss mit der Zeit gehen, also Trends frühzeitig erkennen und auch mal etwas Neues ausprobieren“, erklärt er. Ein Beispiel dafür ist das Angrillen, das sich vom klassischen Auftakt in die Grillsaison zu einem Streetfood-Grillevent entwickelt und heute als das größte seiner Art in der Region etabliert hat.
Besonders am Herzen liegen ihm die mehrtägigen Veranstaltungen. Die Bäwersche Kirmes im Oktober oder der Adventsmarkt am ersten Adventswochenende etwa verlangen lange Vorlaufzeiten und ein hohes Maß an Verantwortung. Wenn die Besucher das Angebot annehmen und die Stimmung passt, dann darf er sich auch einmal leise auf die Schulter klopfen. „Dann weiß man, dass man vieles richtig gemacht hat.“
Während sich das Angebot an Events vermehrt hat, hat sich auch das Publikum verändert. Die Werbung hat sich gewandelt, der Einzugsbereich ist gewachsen. Immer häufiger kommen Besucher auch von außerhalb nach Bebra. „Ich sehe ganz oft neue Gesichter und irgendwann sind es gar keine neuen mehr, weil sie regelmäßig wiederkommen“, beschreibt Michael Lehn die positive Entwicklung mit einem Lächeln. Für ihn ist das ein klares Zeichen das zeigt, dass die Veranstaltungen über die Stadtgrenzen hinaus strahlen. Mit dem Wachstum kamen in den vergangenen Jahren allerdings auch neue Anforderungen. Sicherheitskonzepte spielen heute eine deutlich größere Rolle als noch zu Beginn seiner Anfangszeit. Jede Veranstaltung wird eng mit Polizei und Ordnungsamt abgestimmt, um den Besuchern ein sicheres Erlebnis zu ermöglichen. „Das ist heute ein ganz anderer Aufwand, aber ein notwendiger“, betont er.
Auf die Frage, was eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahre war, ist die Antwort zweifellos die Corona-Zeit. Veranstaltungen mussten abgesagt und Konzepte neu gedacht werden. Ein stummes Hinnehmen kam nicht infrage. Stattdessen entstand im Lokschuppen 2021 eine abgespeckte Version der Kirmes, „die etwas andere Kirmes“, wie sie genannt wurde. Zwar mit Bühnenprogramm, aber mit strengen Sicherheitsvorkehrungen wie einem Hygienekonzept oder der Abstandsregelung. „Es hat funktioniert, aber es war natürlich nicht dasselbe“, erinnert sich der 59-Jährige. Umso größer war die Erleichterung, als wieder Normalität einkehrte. Das erste große Event ohne derartige Einschränkungen, das „Frühlingserwachen“ im Mai 2022, bleibt ihm daher besonders im Gedächtnis. Tausende Menschen kamen in die Innenstadt. „Rückblickend betrachtet habe ich richtig gespürt, wie sehr den Leuten die Normalität gefehlt hat“, erzählt er.
Und das größte Highlight seiner bisherigen Laufbahn bei der SEB? „Eigentlich ist es jedes Mal ein Highlight. Jede Veranstaltung hat seinen eigenen Charakter. Wenn eine kleine Stadt wie Bebra zeigt, was in ihr steckt, wenn Menschen zusammenkommen, friedlich feiern und die Resonanz stimmt, dann bin ich zufrieden.“ Vor allem aber sei es die Zusammenarbeit mit dem städtischen Team, den Standbetreibern, Einzelhändlern und Gastronomen: „Dieses Hand-in-Hand-Arbeiten, das ist das Entscheidende. Ohne das wäre alles nichts.“
Michael Lehn drängt sich bei Veranstaltungen nicht in den Vordergrund. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Viele der Feiertage, die Bebra in den vergangenen Jahren erlebt hat, tragen seine Handschrift. Und vermutlich ist genau das sein größter Erfolg.







