Mit Nina Siemon hat die Stadt Bebra eine engagierte neue Seniorenbeauftragte gewonnen. Seit Dezember 2025 ist sie in dieser Position tätig. Sie ist zugleich Quartiersmanagerin der AWO Bebra und setzt sich so auf mehreren Ebenen für Senioren der Stadt ein. Sie bringt vor allem den Wunsch mit, Menschen konkret in ihren individuellen Belangen zu unterstützen. Mit Tatkraft möchte sie das Miteinander in Bebra weiter stärken und neue Impulse für ein generationenübergreifendes Stadtleben setzen. Ihr beruflicher Hintergrund im Marketing hilft ihr, Projekte klar zu strukturieren und Menschen zu erreichen. Gleichzeitig ist sie seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert, was ihre Arbeit stark prägt. Im folgenden Interview gibt Nina Siemon Einblicke in ihre Aufgaben als Seniorenbeauftragte und Quartiersmanagerin.
Was hat Sie dazu bewegt, die Aufgabe als Seniorenbeauftragte der Stadt Bebra zu übernehmen?
Ich komme ursprünglich aus dem Marketing, einem kreativen Feld, das ich immer geliebt habe. Aber nach der Geburt meines Sohnes habe ich schnell gemerkt: Ein klassischer Marketingjob passt nicht mehr zu unserem Alltag. Gleichzeitig wollte ich etwas tun, das mehr Sinn stiftet. Als ich die Stellenausschreibung der AWO entdeckt habe, dachte ich: „Perfekt! Hier kann ich kreativ bleiben, Menschen unterstützen und am Ende des Tages mit dem Gefühl heimgehen, etwas Gutes getan zu haben.“
In Bebra bin ich groß geworden, das macht es noch schöner.
Welche Projekte wollen Sie in Ihrer neuen Rolle für die Senioren in Bebra vorantreiben?
Mir ist wichtig, Angebote zu schaffen, die sowohl Herz haben als auch Freude machen. Der Seniorenmittagstisch spielt eine große Rolle. Dort treffen sich Menschen, um gemeinsam zu essen. Daneben möchte ich Senioren, aber auch junggebliebene, in der digitalen Welt unterstützen. Viele möchten ihr Smartphone sicherer nutzen, Fotos verschicken oder einfach mal bei der Familie per Video anrufen. Außerdem kann das Smartphone mittlerweile eine große Hilfe bei Gesundheitsfragen und Notfällen sein. Und natürlich plane ich wieder Ausflüge, Feste und einige sehr interessante Infoveranstaltungen, die Wissen und Geselligkeit verbinden.
Was zeichnet die Stadt Bebra aus Ihrer Sicht bereits heute als seniorenfreundliche Stadt aus?
Bebra hat etwas, das man nicht kaufen kann: das Miteinander. Viele Menschen engagieren sich, Vereine ziehen mit, Nachbarn schauen aufeinander. Das spürt man in vielen Gesprächen. Senioren sind hier ein aktiver Teil des Stadtlebens und das ist nur möglich, weil die Stadt barrierefrei denkt.
Gibt es Begegnungen mit Senioren in den letzten zwei Monaten, die Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben sind?
Oh ja! Besonders schön war, als eine Bewohnerin aus dem Wohnheim zu mir ins Büro kam und einfach nur sagte: „Schön, dass Sie da sind.“ Das macht schon was. Die schönste Bestätigung ist natürlich, wenn die Angebote angenommen werden.
Wie gestalten Sie den persönlichen Austausch mit Senioren?
Ganz unkompliziert. Es gibt keine starren Sprechzeiten. Wir treffen uns einfach dort, wo es passt: beim Mittagstisch – immer montags von 11.30 bis 14:00 Uhr in Mosebergs Brauhaus – oder im Rathaus sowie draußen an der frischen Luft. Ich höre zu, frage nach und nehme mir Zeit. Vieles entsteht im Gespräch. Ich hoffe, dass sich die Menschen bei mir wohl fühlen und einfach anrufen.
Wird es in diesem Jahr Gruppenfahrten für Senioren geben?
Ja, und ich freue mich schon sehr darauf. Das Schöne ist, ich darf es aussuchen. Ausflüge sorgen für Abwechslung, Bewegung und, ganz wichtig, für schöne gemeinsame Erlebnisse.
Wie könnten Sie Senioren noch stärker in das gesellschaftliche Leben in Bebra einbeziehen?
Indem wir ihnen Raum geben, ihre Ideen einzubringen und ihnen zeigen, wie wichtig sie sind. Viele ältere Menschen haben unglaublich viel Erfahrung, Humor und Energie. Wenn wir sie stärker beteiligen und vor allem motivieren, profitieren am Ende alle: jung, alt und alles dazwischen.
Sie sind auch Quartiersmanagerin der AWO: Welche positiven Synergien ergeben sich aus dieser Doppelrolle für die Stadt Bebra?
Mir ist wichtig, diese Frage ganz offen zu beantworten, denn sie wird tatsächlich öfter gestellt. Auch wenn ich bei der AWO angestellt bin, fühle ich mich nicht in zwei Rollen zerrissen, sondern in einer Aufgabe verbunden. Ich bin für die Senioren in Bebra da. Für alle, unabhängig davon, ob sie in einem AWO‑Haus leben, bei einem anderen Träger angebunden sind oder völlig ohne Verband auskommen. Die Doppelrolle bringt kurze Wege, gute Netzwerke, einen ganzheitlichen Blick und tolle Impulse und Ideen seitens der AWO. Sie bedeutet aber definitiv keine Bevorzugung. Wenn jemand Unterstützung braucht, dann zählt für mich nicht das Logo auf der Visitenkarte, sondern der Mensch vor mir. Und genauso neutral, offen und für alle zugänglich nehme ich auch meine Aufgabe wahr.
Welche Wünsche haben Sie persönlich für die zukünftige Entwicklung der Seniorenarbeit?
Ich wünsche mir, dass wir Angebote schaffen, die Freude machen, Brücken bauen und Menschen zusammenbringen, auch unabhängig vom Alter. Dass niemand das Gefühl hat, allein dazustehen und dass die Angebote gesehen und wahrgenommen werden.
Wenn Sie nach vorne schauen: Welche langfristigen Ziele möchten Sie in den nächsten Jahren mit Ihrer Arbeit als Seniorenbeauftragte erreichen?
Ich möchte, dass Bebra eine Stadt bleibt, in der Menschen auch im Alter selbstbestimmt, gut vernetzt und eingebunden leben können. Mein langfristiges Ziel ist, Strukturen aufzubauen, die verlässlich sind und den Menschen Sicherheit geben. Und ich hoffe, dass das Ehrenamt wieder mehr an Bedeutung gewinnt. Das man auch terminlich flexibel helfen kann und sich nicht starr binden muss. Ganz nach dem Motto „Ehrenamt to go“ quasi. Gemeinsam geht es eben besser.
Nina Siemon steht montags von 11.30 bis 14.00 Uhr beim Mittagstisch in Mosebergs Brauhaus, Nürnberger Straße 54, persönlich für Fragen und Anliegen zur Verfügung. Telefonisch ist sie unter 0160 7483164 sowie per Mail an seniorenarbeit@bebra.de erreichbar.







